"The Brutalist"-Regisseur über finanzielle Durststrecken
Brady Corbet: Zehn Oscar-Nominierungen, null Dollar

| Redaktion 
| 19.02.2025

Derzeit überzieht die Berlinale unsere Hauptstadt mit Glanz und Glamour, ehe die Academy Awards im März für ein noch prunkvolleres Staraufgebot sorgen. "The Brutalist" darf sich dabei Hoffnung auf zehn Oscars machen – doch Regisseur und Drehbuchautor Brady Corbet hat klargestellt, dass die Anerkennung für seinen Film keinesfalls mit großem Reichtum einhergeht. Mehrere nominierte Filmemacher sollen Probleme haben, ihre Miete zu zahlen.

Der 36-jährige Brady Corbet hat sich nach einer schon in der Jugend begonnenen Schauspielkarriere ab 2015 der Arbeit hinter der Kamera gewidmet. Mit dem Nachkriegs-Drama "The Brutalist" ist dem US-Amerikaner sein bisher meistbeachtetes Werk gelungen, das bei den diesjährigen Academy Awards in zehn Kategorien nominiert ist; darunter Bester Film sowie Beste Regie und Bestes Original-Drehbuch. Letzteres hat Corbet mit seiner Kreativ- und Lebenspartnerin Mona Fastvol verfasst.

Angesichts der glanzvollen Assoziationen, die allein die berühmteste Filmpreisverleihung der Welt hervorruft, möchte man denken, dass der Regisseur eines zehnfach nominierten Kritikerlieblings frei von finanziellen Sorgen ist. Nun hat unter anderem der Hollywood Reporter ein Gastspiel von Brady Corbet im Podcast von Schauspieler und Komiker Marc Maron ("WTF With Marc Maron"aufgegriffen, das ein gänzlich anderes Bild zeichnet: Mit "The Brutalist" haben Corbet und Fastvol demnach "null Dollar" verdient.

Dreieinhalb Stunden Drama für zehn Millionen Dollar

Corbet hat seit 2018 an dem Film gearbeitet, der letzten September seine Weltpremiere gefeiert hat und ohne Unterstützung eines der führenden Filmstudios entstanden ist. Mit vergleichsweise moderatem Budget von etwa zehn Millionen US-Dollar wurde ein dreieinhalbstündiges Historiendrama umgesetzt – man darf daher davon ausgehen, dass ein Großteil des vorab verfügbaren Geldes tatsächlich auf der Leinwand und nicht bei Corbet und Fastvol gelandet ist.

Welche Vereinbarung mit dem Vertrieb A24 bezüglich Anteile an den Einnahmen getroffen wurde, ist nicht im Detail bekannt. Gerade bei Independent-Filmen ist es nicht unüblich, dass für Regisseure nach der Deckung von Produktions- und Marketingkosten oder Verleihgebühren keine großen Summen übrig bleiben. Weltweit hat "The Brutalist" bislang etwa 30 Millionen US-Dollar eingespielt.

Im Podcast von Maron erklärt Brady Corbet, dass er kürzlich drei Werbespots in Portugal gedreht und damit zum ersten Mal seit drei Jahren wieder Geld verdient hat. Die aussichtsreiche Position von "The Brutalist" im Rennen um die Oscars scheint aus finanzieller Sicht eher Fluch als Segen zu sein: Er erhalte keinerlei Bezahlung dafür, den Film für die Award-Saison zu bewerben, obwohl er genau das seit einem halben Jahr nahezu ununterbrochen tut.

Sechs Monate Arbeit ohne Einkommen

"Ich habe das jetzt sechs Monate lang gemacht und hatte währenddessen null Einkommen, weil ich keine Zeit habe, arbeiten zu gehen. Ich kann im Moment nicht einmal einen Schreibjob annehmen", schildert Corbet Maron gegenüber.

In der Woche vor dem Podcast habe er 90 Interviews geführt, weswegen er die Promotion-Phase inzwischen als andauerndes "Verhör" empfinde. "Es ist sieben Tage die Woche", beschreibt er. "Es ist grenzenlos. Man ist ständig unterwegs, man arbeitet auch samstags und sonntags. Seit den Weihnachtsferien hatte ich keinen freien Tag mehr, und das waren auch nur vier."

Gleichzeitig stellt Brady Corbet heraus, dass es sich bei ihm keineswegs um einen Einzelfall handelt und mehrere aktuelle Award-Anwärter ähnlichen Schwierigkeiten gegenüberstehen: "Ich habe mit vielen Filmemachern gesprochen, deren Filme dieses Jahr nominiert sind und die ihre Miete nicht bezahlen können. Ich meine, das ist eine reale Sache."

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