Tech-Plattform Bending Spoons übernimmt
Komoot: Deutschlands führende Outdoor-App wird nach Italien verkauft

Die international erfolgreiche Outdoor-App Komoot hat überraschend einen neuen Eigentümer: Das italienische Tech-Unternehmen Bending Spoons übernimmt den deutschen Routenplaner. Während der neue CEO von großem Wachstumspotenzial spricht, sorgt die Übernahme in der Community für Unsicherheit. Kommt jetzt das Ende des kostenlosen Angebots?

Komoot, die beliebte Outdoor-App für Radfahrer:innen und Wanderer, zählt inzwischen mehr als 45 Millionen Nutzer:innen weltweit – doch nun steht ein radikaler Eigentümerwechsel bevor. Das italienische Softwareunternehmen Bending Spoons übernimmt die in Deutschland gegründete Plattform. Die Reaktionen reichen von Euphorie bis Skepsis.

Erfolgsmodell mit Wurzeln in der DACH-Region

Vor 15 Jahren entstand Komoot als ambitioniertes Projekt von sechs Freunden aus Deutschland und Österreich – heute zählt die App zu den führenden Routenplanern für Outdoor-Aktivitäten in Europa. Der Schlüssel zum Erfolg: nutzergenerierte Tourenvorschläge, intelligente Navigation auf Basis von OpenStreetMap-Daten und Kooperationen mit Markt-führern wie Garmin. Trotz zahlreicher Wettbewerber wie Alltrails, Outdooractive oder Strava konnte sich Komoot als Plattform mit starkem regionalem Bezug und anwenderfreundlicher Bedienung behaupten.

Mit 23 Millionen Nutzer:innen außerhalb Deutschlands und wachsendem Einfluss in den USA wurde Komoot zunehmend attraktiv für internationale Investoren. Nun übernimmt das italienische Tech-Unternehmen Bending Spoons das Ruder – und kündigt an, das Potenzial der Marke global auszuschöpfen. "Das, was uns hierhergebracht hat, wird uns nicht auf die nächste Stufe bringen", erklärte Komoot-CEO Markus Hallermann.

Bedenken in der Community

Die Übernahme durch Bending Spoons – bekannt für frühere Akquisitionen wie Evernote und Wetransfer – sorgt in der Tech- und Outdoor-Community für Diskussionen. In sozialen Netzwerken häufen sich Stimmen, die einen Wandel des Geschäftsmodells befürchten. Insbesondere die Integration in andere Plattformen und mögliche Preissteigerungen bereiten langjährigen Nutzer:innen Sorgen. Der renommierte Tech-Blog DC Rainmaker warnt: Frühere Bending-Spoons-Übernahmen führten nicht selten zu Stellenabbau und drastischen Änderungen an der Produktstrategie.

Die jüngste Entscheidung, neue Nutzer:innen nur noch mit Premium-Zugang Touren exportieren zu lassen, nährt diese Bedenken. Bisher bot Komoot ein kostenloses Basismodell an, das durch Zusatzfunktionen, Kartenpakete und Tourismuspakte ergänzt wurde. Ob dieses Modell nun überarbeitet wird, ist offen.

Internationale Expansionspläne und neue Ziele

Trotz kritischer Stimmen blickt Komoots Management zuversichtlich in die Zukunft. Besonders in den USA sieht das Unternehmen großes Wachstumspotenzial. Laut Mitgründer Tobias Hallermann zählt Komoot dort bereits rund eine Million Nutzer:innen – Tendenz stark steigend. "Am Ende wollen wir alle 100 Millionen Radfahrer und Wanderer erreichen", sagte er dem Handelsblatt.

Auch die bisherigen Alleinstellungsmerkmale wie Geländetyp-Analyse, Highlight-Funktion und die Community-getriebene Tourenplanung sollen laut den neuen Eigentümern nicht verloren gehen. Bending-Spoons-CEO Luca Ferrari betont: "Wir sind begeistert von Komoots Wachstumspotenzial und wollen die Plattform mit unserer Technologie unterstützen."

Intelligente Anwendungen gewinnen auch in der digitalen Reiseplanung an Relevanz – etwa bei der Kombination von Flug- und Routensuche, wie dieser Überblick über die besten KI-Tools für günstige Flüge und smarte Routen zeigt.

Der nachhaltige Erfolg der App gründet nicht zuletzt auf ihrer Ursprungsphilosophie – der Einfachheit. Der aus dem Walserischen stammende Name "Komoot" bedeutet so viel wie "praktisch" oder "bequem" – und das ist auch das erklärte Ziel der Plattform geblieben: Menschen raus in die Natur zu bringen.

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