Tragbare Robotik: CEO von Skip im Interview
Kathryn Zealand: "Wir sind Vorreiter einer neuen Kategorie - Movewear"

| Bernhard Führer 
| 31.03.2025

Bewegung ist für unsere Gesundheit, unser Selbstvertrauen und unsere Verbindung zur Welt essenziell. Doch mit den Jahren wird sie immer anspruchsvoller. Genau hier setzt Skip an: Das Unternehmen entwickelt eine völlig neue Produktkategorie namens Movewear, die Exoskelett-Technologie mit intelligenter Kleidung kombiniert. Mithilfe ihres ersten Produkts – die motorisierte Hose MO/GO (Mountain Goat) – sollen sich Menschen mühelos, selbstbewusst und mit Freude bewegen.

Kathryn Zealand, CEO von Skip, und ihr Team haben jahrelang erforscht, wie tragbare Robotik die menschliche Mobilität verbessern kann. Jetzt setzt Skip diese Vision in die Tat um. Im LEADERSNET-Interview spricht Kathryn über die Ursprünge von Movewear, die technologischen Innovationen dahinter und warum jetzt der richtige Zeitpunkt für diese neue Produktkategorie ist.

LEADERSNET: Wie haben Ihre Erfahrungen bei Google X Ihre Vision für Skip geprägt? Gab es einen Schlüsselmoment, der Sie von der Notwendigkeit von Movewear überzeugt hat?

Zealand: Anna, meine Mitgründerin, und ich haben beide eine tiefe persönliche Verbindung zum Thema Mobilität. Für mich war es meine Oma, die stets zu Fuß unterwegs war – zum Einkaufen, ins Café, zur Kirche, zum Bridgeclub, zum Blumenstecken und zu all den anderen schönen Dingen, die Omas eben so tun. Bis sie eines Tages nicht mehr konnte. Von diesem Moment an wurde ihre Welt immer kleiner. Das ist eine alltägliche Geschichte, aber erst als ich es selbst bei einem geliebten Menschen erlebte, wurde mir bewusst, wie entscheidend es für die Lebensqualität ist, sich selbstbewusst in seiner Umgebung bewegen zu können.

Damals arbeitete ich mit einigen der klügsten Technologen der Welt zusammen. Doch trotz all unserer Fortschritte konnte ich mir nicht vorstellen, dass jemand wie meine Oma eine technische Lösung regelmäßig tragen und nutzen würde. Je mehr ich über Bewegung lernte, desto deutlicher wurde mir, wie viele Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zu kämpfen haben – sei es aufgrund alter Sportverletzungen, Long Covid oder neuromuskulärer Erkrankungen.

Eigentlich wollte ich nicht, dass Robotik die Lösung ist. Roboter sind oft komplizierter und teurer als alternative Ansätze. Doch jahrelange Nutzerforschung zeigte uns, dass Menschen ein Produkt wünschen, das freihändig (und somit tragbar) ist und gezielt jene Bewegungen unterstützt, die ihnen am schwersten fallen und oft die Knie belasten; wie Treppensteigen, Wandern oder das Aufstehen von einem Stuhl.

Wir experimentierten mit vielen Ideen und entwickelten schließlich Movewear – eine neue Produktkategorie, die Bewegung aktiv (mit Motoren) unterstützt, aber so bequem und intuitiv zu tragen ist wie normale Kleidung. Wir starten mit Kniebandagen für Wanderer, forschen jedoch bereits an weiteren Lösungen zur Unterstützung einer Vielzahl medizinischer Bewegungsprobleme. 

LEADERSNET: Ihr erstes Produkt, MO/GO™, verspricht natürlichere und mühelosere Bewegung. Können Sie uns einen Einblick in die Funktionsweise der Technologie geben? Gibt es erste Nutzerreaktionen oder besondere Erfolgsgeschichten?

Zealand: MO/GO nutzt Sensoren und Algorithmen des maschinellen Lernens, um Bewegungen in Echtzeit zu erkennen und gezielt zu unterstützen. Die Motoren üben sanfte Kraft aus, um die Beine bei Aktivitäten wie Bergaufgehen oder Treppensteigen zu entlasten. Diese Kraft wird über Beinmanschetten in der Hose übertragen, während ein kompakter Akku das System mit Strom versorgt.

Das Feedback ist überwältigend. Seit unserer Markteinführung im vergangenen August haben wir mit Hunderten von Menschen Wanderungen, Trekkings und Bergtouren unternommen. Ein besonders unvergessliches Erlebnis war der Aufstieg auf den Gipfel der Manitou Incline in Colorado – ein Höhenunterschied von 600 Metern auf weniger als einer Meile. Der Abstieg war für alle Beteiligten ein Hochgefühl. Es flossen sogar Freudentränen! Viele unserer Nutzer leiden unter Gelenkschmerzen in den Knien, doch mit MO/GO konnten sie erstmals ohne Beschwerden bergab gehen.

Kathryn Zealand, Mitgründerin und CEO von Skip (Bild: Skip)
Kathryn Zealand, Mitgründerin und CEO von Skip (Bild: Skip)

LEADERSNET: Wer mit Elektroantrieb wandern möchte, muss tief in die Tasche greifen. Die Hose kostet 5000 Dollar. Mit Frühbucherrabatt sind es 4500 Dollar. Wird der Preis sinken?

Zealand: Aktuell kostet MO/GO 5000 Dollar und ist damit deutlich günstiger als medizinische Exoskelette, die bis zu 100.000 Dollar kosten können. Wir arbeiten kontinuierlich daran, die Kosten zu senken, indem wir die Produktion ausweiten und das Design optimieren. Unser Ziel ist es, motorisierte Fortbewegung für so viele Menschen wie möglich zugänglich zu machen. Mit der Zeit und effizienteren Herstellungsprozessen werden die Preise voraussichtlich sinken – so wie es in den letzten Jahren bei Mobiltelefonen und PCs der Fall war.

LEADERSNET: Eine Akkuladung hält nur etwa drei Stunden. Wird sich das in Zukunft verbessern?

Zealand: Der MO/GO-Akku ist für mindestens drei Stunden Dauerbetrieb bergauf bei voller Leistung ausgelegt, was für die meisten anspruchsvollen Wanderungen ausreicht. Tatsächlich erreichen wir in der Praxis oft eine längere Laufzeit, da die meisten Wanderungen nicht durchgängig bergauf führen. Zudem lassen sich die Akkus problemlos unterwegs austauschen, sodass längere Touren mit Ersatzakkus kein Problem sind.

LEADERSNET: Für welche Zielgruppen ist MO/GO geeignet?

Zealand: MO/GO richtet sich an ein breites Spektrum von Menschen – von aktiven Erwachsenen, die ihre Grenzen austesten wollen, über Personen mit Gelenkbeschwerden bis hin zu älteren Menschen, die mobil und unabhängig bleiben möchten. Gemeinsam haben sie alle den Wunsch, in Bewegung zu bleiben und ihre Lieblingsaktivitäten ohne Einschränkungen zu genießen.

 
 
 
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LEADERSNET: Wo sehen Sie Skip in der wachsenden Exoskelett-Branche?

Zealand: Wir sind Vorreiter einer neuen Kategorie: Movewear. Anders als traditionelle Exoskelette für Industrie oder Medizin entwickelt Skip tragbare Lösungen für den Alltag. Unser Ziel ist es, Spitzentechnologie mit der Eleganz und dem Komfort hochwertiger Outdoor-Ausrüstung zu kombinieren.

LEADERSNET: Steve Jobs sagte einmal: "Technologie sollte entweder schön oder unsichtbar sein." Wie spiegelt sich das in Ihrem Ansatz wider?

Zealand: Unsere Philosophie lautet: Movewear soll schön aussehen, sich aber unsichtbar anfühlen! Wir möchten, dass unsere Nutzer ihre Movewear so lieben, dass sie sie stolz tragen.

LEADERSNET: Wo sehen Sie Movewear in zehn Jahren?

Zealand: Unser Ziel ist eine Welt, in der niemand zurückgelassen wird. In zehn Jahren soll Movewear für Wanderer, Reisende und alle, die sich mit Leichtigkeit bewegen wollen, unverzichtbar sein – so selbstverständlich wie ein gutes Paar Laufschuhe.

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