Erster Testflug des deutschen Raumfahrt-Startups
Isar Aerospace: Meilenstein trotz Absturz

Noch keinem Raumfahrtunternehmen ist es gelungen, die erste Testrakete bis in den Erdorbit zu bringen. Auch das deutsche Startup Isar Aerospace vollbringt dieses Meisterstück nicht: Nach mehreren kurzfristig abgesagten Versuchen, die hauseigene Spectrum-Rakete hoch in den Himmel zu bringen, ist Sonntagmittag zumindest der Start geglückt – und trotz Absturz zeigen sich die Verantwortlichen mit den ersten Erkenntnissen zufrieden.

Es sind bedeutende Tage für die deutsche Beteiligung an der Raumfahrt: Während Rabea Rogge mit SpaceX zu Wochenbeginn als erste deutsche Frau in den Weltraum fliegen soll, hat das nahe München beheimatete Startup Isar Aerospace am Sonntagmittag erstmals eine Spectrum-Trägerrakete vom Boden abheben lassen.

Der Weg zum ersten Testflug war von mehreren Anläufen und Wetterkapriolen geprägt. Ursprünglich sollte der Start bereits am 24. März stattfinden, doch starke Winde zwangen das Team, den Versuch abzubrechen – die Rakete stand zwar startklar auf der Rampe des Andøya Spaceports in Norwegen, im Interesse der Sicherheit wurde der Launch aber verschoben.

Spectrum am Sonntag endlich startklar

Weitere Zeitfenster wurden daraufhin anvisiert; ein konkreter zweiter Anlauf folgte schließlich am Samstag. Allerdings durchkreuzten ungünstige Wetterbeschränkungen die Startpläne erneut.

Nicht so jedoch am Sonntag: Die Bedingungen wurden als akzeptabel erachtet und anders als beim ersten Versuch stellte Isar Aerospace nach vielfacher Online-Forderung auch einen Livestream zur Verfügung.

Der Zehn-Sekunden-Countdown setzt bei 33:40 Minuten ein:

Um 12:30 Uhr hob die Rakete ab und stieg senkrecht in den Himmel. Nach etwa 18 Sekunden kündigte ein Sprecher das Pitchover-Manöver an: Es bezeichnet die kontrollierte Neigung der Rakete von ihrer anfänglich vertikalen Start- in eine schräge Flugbahn, um sie auf den richtigen Kurs in Richtung Orbit zu bringen. Dieser Schritt wird präzise gesteuert, meist durch die Triebwerke und das Navigationssystem.

Beim ersten Testflug von Isar Aerospace scheint genau in diesem Moment eine Fehlfunktion aufgetreten zu sein: Statt die vorgesehene Flugbahn einzunehmen, geriet die Spectrum-Rakete außer Kontrolle, kam ins Trudeln und stürzte ab.

Dennoch ist man bei Isar Aerospace nicht unglücklich über den endlich gelungenen Start – schon im Vorfeld hatten die Verantwortlichen in erster Linie darauf gehofft, eine Explosion der Rakete bis zum Verlassen der kostspieligen Startrampe hinauszögern zu können. Diese hat offenbar keinen übermäßigen Schaden genommen.

Es handelt sich beim Ereignis am Sonntag nicht nur um den ersten Launch einer Orbitalrakete in Kontinentaleuropa, sondern auch um den ersten nahezu vollständig privat finanzierten Raketenstart in Europa. 

Im Tweet heißt es übersetzt: "Mit diesem Testflug konnten wir erfolgreich wertvolle Daten und Erfahrungen für zukünftige Missionen sammeln. Dank der strengen Sicherheitsvorkehrungen sowohl von Isar Aerospace als auch vom Andøya Spaceport war das gesamte Personal zu jeder Zeit sicher."

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